Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe
 
 

Sehr geehrte Damen und Herren,

unser heutiges Pressegespräch soll einen Rückblick auf das besondere Autojahr 2009 sowie die Aussichten für dieses Jahr vermitteln.

Zunächst ist festzustellen: Auch in diesem Jahr werden unsere Kfz-Meisterbetriebe wieder Autos verkaufen und Servicedienstleistungen von höchster Qualität erbringen. Doch die Geschäfte werden sich wieder auf ein „normales“ Niveau einpendeln, wie wir es bereits für 2009 ohne die Sonderkonjunktur der „Umweltprämie“ erwartet hatten.

Wir wollen nicht verhehlen, dass wir dafür auch wichtige Impulse von der morgen beginnenden Messen AMI, AMITEC und AMICOM erwarten, sind sie doch ein Frühjahrs-Stimmungsbarometer für den deutschen Mark.

Das erst vierzehn Wochen alte Autojahr stellt die Branche im Jahr eins nach der Umweltprämie vor große Herausforderungen. Den erwarteten Rückgängen im Privatkundengeschäft steht die zu befürchtende Schwäche im gewerblichen Verkauf gegenüber, wenn die konjunkturelle Erholung nicht mehr Schwung bekommt. Die Branche vertraut auf das traditionell gute Frühjahrsgeschäft, das nach dem langen Winter etwas später begonnen hat.

Wir können feststellen, der Optimismus kehrt in unsere Betriebe zurück: In einer aktuellen Umfrage zum Geschäftsklima schätzen mehr als die Hälfte der Kfz-Betriebe in Deutschland die aktuelle Geschäftslage im ersten Quartal 2010 als „schlecht“ ein. Nur 5,2 Prozent der befragten Autohäuser beurteilten die aktuelle Geschäftslage als „gut“. Für das zweite Quartal sehen die Betriebe zumindest einen Hoffnungsschimmer: Knapp 22 Prozent der Befragten erwarten eine Besserung der Lage, während die Hälfte der Betriebe eine „saisonübliche“, normale Geschäftsentwicklung erwartet.

Fazit: Dass Kfz-Gewerbe ist in seiner Normalität angekommen und befindet sich auf dem Niveau und den Erwartungen wie zum Ende des Jahres 2008.

Bevor ich auf die Erwartungen, Einschätzungen und Forderungen für das laufende Jahr näher eingehe, gestatten Sie mir noch eine kurze Analyse des zurückliegenden Autojahres.

Der Zuwachs bei den Pkw-Neuzulassungen betrug bundesweit gegenüber 2008 mehr als 700.000 Einheiten. Davon wurden allein in Ostdeutschland 170.000 neue Pkw mehr zugelassen. Das bedeutet ein Plus von 41 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allein in Sachsen wurden 52.000 neue Pkw mehr zugelassen als 2008, insgesamt 169.206 Pkw. Zuletzt wurden 1999 so viele Pkw in Sachsen an Kunden ausgeliefert. Die Zahlen der anderen Länder können Sie den Presseunterlagen entnehmen.

Damit stellen die „Bremsspuren“ bei den Zulassungszahlen der ersten drei Monate des Jahres 2010 keine besondere Überraschung dar. Eine ähnliche Situation hatten unsere Betriebe schon Anfang 2007. Nach bekannt werden der Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar hatten die Verkaufszahlen in den beiden letzten Monaten des Jahres 2006 spürbar anzogen und das das erste Quartal des Jahres 2007 begann ebenso schwach wie dieses Jahr.

Während die Umsätze mit dem Verkauf von Neufahrzeugen erwartungsgemäß anstiegen wurde auch der Verkauf prämienfähiger Jahreswagen durch die Umweltprämie positiv beeinflusst. Der Nutzfahrzeugmarkt hingegen erlitt im Jahr 2009 deutliche Einbußen. Bei Neufahrzeugen lag der Umsatz unter dem Wert des Vorjahres. Hier ist auch nach Ablauf des ersten Quartals keine Besserung zu erkennen. Der Gebrauchtwagenhandel mit Nutzfahrzeugen zeigte sich hingegen recht stabil.

Entgegen aller Unkenrufe gab es trotz Umweltprämie keinen Einbruch im Servicegeschäft. Denn viele der zwei Millionen Altautobesitzer, die 2009 ihren Wagen verschrottet haben, waren nicht Kunden einer Werkstatt, sondern haben vorher selbst geschraubt oder durch den „Bekannten um die Ecke“ schrauben lassen. Und offenbar gab es genug Fahrzeuge mit einem Alter bis neun Jahren, die in die Werkstatt mussten. Das Durchschnittsalter der Pkw ist im vergangenen Jahr durch die Verjüngung des Fahrzeugbestands im Rahmen der Umweltprämie von 8,2 auf 8,1 Jahre gesunken. Natürlich muss man hier die Tatsache berücksichtigen, dass junge Fahrzeuge besonders in den ersten zwei bis drei Jahren die Werkstatt meist nur bei den vorgeschriebenen Serviceintervallen sehen. Mittelfristig steigt der Servicebedarf dieser Fahrzeuge, konkret ab dem dritten Lebensjahr, wieder an.

Die Umsatzsteigerungen haben sich insgesamt auch positiv auf die Renditen unserer Autohäuser ausgewirkt. Im Jahr der Umweltprämie ist wieder mehr Geld in den Kassen des Autohandels und der Werkstätten geblieben: die Durchschnittsrendite stieg auf den vorläufigen Wert von über einem Prozent und damit wieder in den schwarzen Bereich. In unseren Betrieben müssen nun alle Register gezogen werden, diese positive Renditeentwicklung auch im „Normaljahr 2010“  zu realisieren.

Festzustellen bleibt, dass sich das Kfz-Gewerbe weiterhin im Strukturwandel befindet. Der Trend zu weniger, aber größeren Unternehmen mit mehreren Betriebsstätten wird sich fortsetzen. Heute hat ein Unternehmen im Durchschnitt etwa zwei Betriebsstätten. und wir gehen davon aus, dass es in zehn Jahren etwa dreieinhalb bis vier Betriebsstätten sein werden. Jedoch sind hier Unterschiede zwischen den Regionen und den Strukturen festzustellen. Insbesondere außerhalb der wenigen Großstädte besteht bei Neugründungen ein Trend zu kleinen und Kleinstbetrieben mit ein bis drei Beschäftigten.

Zum Jahresende 2009 zählte unsere Branche bundesweit insgesamt 38.300 Kfz-Meisterbetriebe, davon waren 18.250 fabrikatsgebundene Autohäuser und 20.050 freie Werkstätten. Damit ging die Gesamtzahl der Betriebe um 2 Prozent beziehungsweise 800 Betriebe gegenüber dem Jahresende 2008 zurück. Auch hierbei sind allerdings regionale Unterschiede festzustellen. Gestatten Sie mir an dieser Stelle noch einmal Zahlen aus Sachsen einzufügen: Entgegen dem Bundestrend sind hier die Insolvenzen gegenüber 2008 um 29 Prozent auf 62 zurückgegangen.

Im Jahr 2009 beschäftigten die Kfz-Meisterbetriebe insgesamt 456.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in technischen und kaufmännischen Berufen, das sind 1,3 Prozent beziehungsweise knapp 6.000 Menschen weniger als Ende des Vorjahres. Parallel dazu ging auch die Gesamtzahl der Auszubildenden im Kfz-Gewerbe um 4 Prozent auf nunmehr knapp 85.500 eingetragene Ausbildungsverhältnisse zurück.

Diese Zahlen spiegeln wider, dass viele Kfz-Meisterbetriebe im Angesicht der wirtschaftlich unsicheren Lage den Personalbedarf vorsichtiger planen. Zudem spielt hier aber auch die demografische Entwicklung eine Rolle: In 2010 sinkt die Zahl der Schulabgänger bundesweit um zirka 25.000 junge Menschen.

Einen Vorteil haben die Betriebe im Osten Deutschlands branchenübergreifend gegenüber vielen anderen Marktteilnehmern: Die Umsatz- und Ertragszahlen sind seit mehr als zehn Jahren rückläufig. Die Betriebe mussten sich schon langfristig mit einem rückläufigen Markt, Zurückhaltung beim Kauf eines neuen oder gebrauchten Pkw, Transporters oder Nutzfahrzeuges sowie bei der Inanspruchnahme von Serviceleistungen auseinandersetzen und sich darauf einstellen, ihre Strategien ändern bzw. anpassen. Hieraus leiten wir auch unsere Chancen in der Zukunft ab.

Insgesamt dürfen diese Zahlen aus dem Ausnahmejahr 2009 nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir uns im Kfz-Gewerbe an einen niedrigeren „Normalmarkt“ gewöhnen müssen. Das sind etwa 3 Millionen Neufahrzeuge und etwa 6 Millionen Gebrauchtwagen, mit einer Schwankungsbreite von plus/minus 5 bis 10 Prozent. Für  2010 rechnen wir bundesweit etwa 2,7 bis 2,8 Millionen Pkw-Neuzulassungen, in den ostdeutschen Bundesländern erwarten wir etwa 350.000 neue Pkw.

Eine zusätzliche Belastung erheblichen Ausmaßes für den Handel bringen die Leasing-Rückläufer, weil Hersteller und ihre Finanzdienstleister die Restwerte von Leasingfahrzeugen in der Vergangenheit viel zu hoch angesetzt haben. Aufgrund dessen müssen die Händler nach dem Auslaufen der Leasingverträge die Fahrzeuge überteuert zurücknehmen und die Verluste tragen. Hier muss dringend etwas geschehen, und bei einigen Herstellern hat sich schon etwas bewegt. Denn nur in Deutschland wird das Restwertrisiko den Händlern aufgebürdet. Als Verband setzen wir uns nachdrücklich für entsprechende Lösungen mit den Herstellern und Importeuren ein.

Ein weiteres Thema, das unsere Branche beschäftigt, ist die Kfz-Gruppenfreistellungsverordnung. Am 1. Juni  tritt eine neue Kfz-GVO in Kraft und wird bis zum 31. Mai 2020 gelten. Sie regelt den Service- und Ersatzteilbereich. Für den Vertrieb von Neufahrzeugen gilt, dass die Regelungen der heutigen Kfz-GVO um drei Jahre bis zum 31. Mai 2013 verlängert werden. Ab dem 1. Juni 2013 gilt dann die so genannte Vertikal-GVO, ergänzt um die dazugehörigen Leitlinien sowie die Leitlinien zur neuen Kfz-GVO.

Grundsätzlich begrüßen wir, dass die Regelungen der heutigen Kfz-GVO im Neuwagenbereich um drei Jahre verlängert werden. Ebenfalls positiv bewerten wir, dass im Bereich Service und Ersatzteile grundsätzlich das heutige System beibehalten werden soll. Hingegen sehen wir es als problematisch an, dass im Neuwagenvertrieb ab 1. Juni 2013 die Vertikal-GVO gelten soll. Dies führt zu einer Schwächung der Position des Handels, da Hersteller und Importeure den Mehrmarkenvertrieb einschränken, eine Bezugspflicht für Neuwagen ihrer Marke vorsehen und die so genannte Niederlassungsfreiheit aufheben könnten. Zudem entfallen die Mindestkündigungsfristen als auch der Begründungszwang bei einer ordentlichen Kündigung.

Aus Gründen der Rechtssicherheit plädieren wir nachdrücklich dafür, die Bestimmungen der aktuellen Kfz-GVO insbesondere hinsichtlich des Mehrmarkenvertriebs und der bestehenden Kündigungsbestimmungen auf europäischer Ebene langfristig rechtlich verbindlich zu erhalten. Sollte die nicht erfolgen, fordern wir dann auch wie in Österreich einen gesetzlichen Investitionsschutz. Dann hätte der Hersteller die Altlasten einer nicht amortisierten Investition zu tragen.

Weiterhin fordern wir von der Politik einen verringerten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent nicht nur für Übernachtungen, sondern auch für handwerkliche Leistungen, hiermit auch für das Kfz-Gewerbe. Eine Reduzierung würde Reparaturen und Wartungsarbeiten für den Kunden deutlich günstiger machen und wäre eine wirksame Maßnahme gegen die Schatten- und Schwarzarbeit.

Angesichts der Tatsache, dass ab 2011 nach Berlin die Einrichtung weiterer Umweltzonen im Osten Deutschlands mit all ihren Vor- und Nachteilen anstehen, wünschen wir uns von den Regierungen im Bund und in den Ländern dass die Förderung des nachträglichen Einbaus von Rußpartikel-Filtersystemen bald verbindlich festgeschrieben wird. Wir brauchen insbesondere eine Förderung im gewerblichen Bereich für leichte Nutzfahrzeuge und Transporter.

Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit. Wir stehen Ihnen für Fragen gern zur Verfügung!

 
Letzte Änderung: 12.04.2010
 
 

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